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Da wiehert die Tuba

Freie Presse Chemnitz – Tim Hofmann, 19.10.10
Die Kinderkomponistenklasse Dresden zeigt erstmals in Chemnitz, wie aufregend Neue Musik klingen kann
[…] Die Klänge, die zu hören waren, erschließen dagegen ganz andere Weiten, und das nicht nur, weil mit dem Kammerensemble Neue Musik Berlin international angesehene Profis die Stücke der Mädchen und Jungen zum Leben erweckten: Die Werke deckten ein breites Spektrum von Barock-inspirierten Sätzen bis zu lustvoll-freiem Klangexperiment ab und bestachen vor allem durch eine unverkopfte, herzliche Frische voller Musiklust und Erfindergeist. Infantil war dabei absolut nichts, auch wenn man das auf den ersten Blick vermuten mag. Doch die Idee, etwa die Nahrungssuche einer französischen Krabbe samt ihrem schicksalhaften Tod im Topf eines Gourmet-Restaurants oder das Gespräch zweier unterschiedlich alter Bäume mit Klängen zu erzählen, macht selbst unter philosophischen Aspekten Sinn – und in der unverkrampften Auslegung der Kinder absoluten Spaß. Die Mädchen und Jungen nehmen ihre Werke ernst, die Wahl der Mittel weniger. So etwas wünscht man sich im Konzertsaal öfter. Ganz nebenbei schenkte das Projekt dem Chemnitzer Publikum auch den Genuss exorbitanter Interpretation. Vor allem der Brite Robin Hayward machte im Ensemble klar, warum er als einer der weltbesten Tuba-Virtuosen gilt: Mal nutzte er das Instrument als eine Art Hallraum, mal entlockte er ihm die stotternden Geräusche eines fehlgezündeten Schiffsdiesels, dann wieder Pferde-Gewieher oder auch mal einfühlsame traditionelle Klänge. Unfassbar, dass das ohne Elektronik möglich war! Aber solches Können war nötig: Leicht sind die Kinder-Kompositionen nämlich selbst für Weltklasse-Profis mitunter nicht. […]

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