Es tönen die Scheunen

Dresdner Neueste Nachrichten – Wieland Schwanebeck/Hartmut Schütz, 13.5.13:

Musik und mehr bei den vierten KlangKunstHöfen in Bärwalde

[…] Von Barock bis Rock ist musikalisch alles möglich, die mehr oder weniger versteckten Ausstellungen sind humorvoll und ernst. Dem aufmerksamen Besucher entgeht nicht das tönende Wartehäuschen nahe der Kirche, hinter dem die elektronische Komposition „Kraazzedim“ erklingt.
Das ehrgeizigste Projekt hatte einmal mehr der Nachwuchs gestemmt: Unter dem Titel „Verträumt und zugedeckt auf der Wiese“ gaben sich die Kinderlesebühne Dresden sowie die Komponistenklasse Dresden die Ehre und setzten ihre bereits im Vorjahr umjubelte Kooperation mit dem Chemnitzer Ensemble C unter Leitung von Andreas Winkler fort. Neben Lyrik um Seiltänzer und Traumwelten kamen aktuelle Arbeitsproben aus der von Silke Fraikin geleiteten Komponistenklasse (darunter drei Uraufführungen, wie z.B. Ion Lopez Leals „Quartett“ sowie Goetz Bienerts „Katzenjammer“) zur Aufführung. Kein noch so kurioses Thema ist tabu, auch die solistischen Beiträge spielen die jungen Musiker ebenso selbstverständlich wie ernsthaft. […]

Da wiehert die Tuba

Freie Presse Chemnitz – Tim Hofmann, 19.10.10
Die Kinderkomponistenklasse Dresden zeigt erstmals in Chemnitz, wie aufregend Neue Musik klingen kann
[…] Die Klänge, die zu hören waren, erschließen dagegen ganz andere Weiten, und das nicht nur, weil mit dem Kammerensemble Neue Musik Berlin international angesehene Profis die Stücke der Mädchen und Jungen zum Leben erweckten: Die Werke deckten ein breites Spektrum von Barock-inspirierten Sätzen bis zu lustvoll-freiem Klangexperiment ab und bestachen vor allem durch eine unverkopfte, herzliche Frische voller Musiklust und Erfindergeist. Infantil war dabei absolut nichts, auch wenn man das auf den ersten Blick vermuten mag. Doch die Idee, etwa die Nahrungssuche einer französischen Krabbe samt ihrem schicksalhaften Tod im Topf eines Gourmet-Restaurants oder das Gespräch zweier unterschiedlich alter Bäume mit Klängen zu erzählen, macht selbst unter philosophischen Aspekten Sinn – und in der unverkrampften Auslegung der Kinder absoluten Spaß. Die Mädchen und Jungen nehmen ihre Werke ernst, die Wahl der Mittel weniger. So etwas wünscht man sich im Konzertsaal öfter. Ganz nebenbei schenkte das Projekt dem Chemnitzer Publikum auch den Genuss exorbitanter Interpretation. Vor allem der Brite Robin Hayward machte im Ensemble klar, warum er als einer der weltbesten Tuba-Virtuosen gilt: Mal nutzte er das Instrument als eine Art Hallraum, mal entlockte er ihm die stotternden Geräusche eines fehlgezündeten Schiffsdiesels, dann wieder Pferde-Gewieher oder auch mal einfühlsame traditionelle Klänge. Unfassbar, dass das ohne Elektronik möglich war! Aber solches Können war nötig: Leicht sind die Kinder-Kompositionen nämlich selbst für Weltklasse-Profis mitunter nicht. […]

[nggallery id=3]

Zwischen Geistern und Realität

Dresdner Neueste Nachrichten – Hartmut Schütz, 19.10.10
Die Hellerauer TonLagen, Dresdens Festival der zeitgenössischen Musik, boten nicht nur ein Dach für große Formate und bekannte Namen, sondern hatten mit dem Jahreskonzert der Komponistenklasse Dresden

mehr…

„Meine Schritte auf der Straße“

Dresdner Neueste Nachrichten – Gabriele Gorgas, 15.6.10
Binationales bei „Kids on stage“ in Hellerau
Dass Kinder schon frühzeitig ihre Eltern mit verrückten Zeichnungen und Malereien überraschen, kennt ja jeder. Auch, dass sie gern singen und tanzen. Doch komponierende Kinder und Jugendliche, das dürfte wohl eher die Ausnahme sein, wobei in Dresden davon schon seit fast drei Jahrzehnten immer mal wieder zu hören ist. Schließlich gibt es eine Komponistenklasse für junge Tonschöpfer. […] Bei „kids on stage“ im Festspielhaus Hellerau hat sich jetzt die Komponistenklasse Dresden erstmals in einem Gemeinschaftskonzert mit der Prager Komponistenklasse „Maly Dvorak“ vorgestellt, und was da im Großen Saal vor reichlich Publikum zu hören ist, hat es wahrhaft in sich. Kein musikalisches Einerlei mit vordergründiger Effekthascherei – es sind individuell geprägte, zuweilen von Vorbildern inspirierte kleine Musikstücke, die trotz ihrer Kürze eine eigenwillige und markante Klangsprache haben. […] Und spürbar gehen die Musizierenden sensibel mit den Werken um, bewegen sich damit zuweilen durch den Saal, nehmen die jungen Tonschöpfer ernst. Und das haben diese absolut verdient – sie alle gemeinsam erhalten nach der Aufführung reichlich Beifall und viele Blumen. […]

Hier wird der Hund in der Kiste verrückt!

Dresdner Neueste Nachrichten – Wieland Schwanebeck, 14.10.09
TonLagen-Festival: Konzert der Komponistenklasse Dresden

Der Dirigent kann das Konzert nicht pünktlich eröffnen: Selbst zehn Minuten nach Beginn drängeln noch interessierte Zuhörer in die Dreikönigskirche, wo 16 Werke der von Silke Fraikin geleiteten Komponistenklasse Dresden ihre Uraufführung erlebten. Die zum Teil für die Interpreten höchst anspruchsvollen Stücke der 8- bis 17-jährigen Schüler waren beim Ensemble Courage und der Sopranistin Jana Reiner in besten Händen. Roland Kluttig leitete das zweistündige Konzert mit feinem Gespür. Schon bei den jüngsten Komponisten beeindruckt die Vielfalt der Hnadschriften […]. So viel Fantasie bezwingt auch Kreativblockaden: In ihrem Geigensolo „Keine Idee“ macht Mia Kersten aus der Not eine Tugend und löst das Problem szenisch. In vielen solcher Momente verdient sich das Ensemble Applaus für den Einsatz übers Notenpult hinaus. Besonders Ulrich Grafe meistert am Schlagzeug immer wieder Spezialaufgaben […]. Einige der Nachwuchskomponisten scheinen sich zudem literarisch ein zweites Standbein zu schaffen: Svenja Kuhn verarbeitet vielfältige Metaphernkomplexe für ihren „Einsamen Wanderer“ […]. Hier wird offenbar, dass Jana Reiner sich der jugendlichen Werke nicht nur mit hohem sängerischen Einsatz annimmt, sondern auch virtuos pfeifen kann. […]

Nachwuchskomponisten bitten zum Jahreskonzert

ddp – Hendrik Lasch, 5.10.09
[…] „In meiner Musik erzähle ich gern Geschichten oder beschreibe Bilder“, sagt Adrian Laugsch, der Komponist ist – einer der jüngsten in Sachsen. Sein aktuelles Werk wird am Sonntag in der Dreikönigskirche Dresden uraufgeführt. Dort findet das Jahreskonzert der Dresdner Komponistenklasse statt, bei dem die professionellen Musiker des Ensemble Courage im Rahmen des Dresdner Festivals für zeitgenössische Musik „TonLagen“ 16 nagelneue Kompositionen von Kindern und Jugendlichen zu Gehör bringt. […] Theorie stehe […] bei ihrer Arbeit nicht im Mittelpunkt, betont Fraikin, die einst selbst in einer Klasse für junge Komponisten unterrichtet wurde, das Fach später auch studierte und es nunmehr seit 15 Jahren unterrichtet. Kinder mit Fantasie und Neugier sollten vielmehr „in einem spielerischen Zugang angeregt werden, ihre Geschichten zu vertonen.“ Das Fehlen von viel Fachwissen sei dabei zunächst sogar förderlich: „Sie sind dann unvoreingenommen und bewerten nicht jede Komposition sofort in ästhetischen Kategorien.“ Auch ein Instrument beherrschen nicht alle ihrer Schüler. Diese lernen im Unterricht zunächst, ihre Ideen zu Papier zu bringen, wozu nicht unbedingt Noten erforderlich sind: „Das kann auch grafisch geschehen – Hauptsache, die Musiker verstehen es“, sagt Fraikin. […] Bis diese freilich in voller Schönheit zum Klingen kommen, vergeht meist viel Zeit, sagt Fraikin: „Das ist ein sehr zeitaufwendiges Hobby.“ […]

Klang und Kunst und Kuchen

Dresdner Neueste Nachrichten – Hartmut Schütz, 22.05.09
Ins „Idyll“ von Bärwalde mit der Komponistenklasse Dresden
Der Morgen auf dem Lande beginnt mit dem Hahnenschrei. Glaubt man jedenfalls landläufig. Auf dem Hof der „Kulturscheune Bärwalde“ hörte sich das ganz anders an: vom Misthaufen kam kein Krähen, sondern nur intensives Schnarchen. Der Herold des Sonnenaufgangs hatte offenbar verschlafen. „Hahn am Morgen“ hieß die spaßige Installation, ersonnen von Laurin Stöckmann, Adrian Laugsch und Mia Kersten. Dieses kleine Detail gehörte zum nachmittäglichen Wandelkonzert mit dem Titel „Idyll“, zu dem die Komponistenklasse Dresden unter Leitung von Silke Fraikin mit neuester Musik und das project:olga mit einer Ausstellung beachtlich viel Publikum aufs Land gelockt hatten. […] Die fünf bildenden Künstler vom project:olga um den Maler und Grafiker Wolfgang Bosse brachen die Räume in ihrer idyllischen Anmutung auf, platzierten Malerei mit geometrischen Formen bis zu verfremdeten Landschaften inmitten von Heuduft und Kutschwagen […]. Inmitten der Räume und Bilder entwickelten die musikalischen Miniaturen der Kompositionsschüler weitere Ebenen, die auf andere Art das „Idyll“ humorvoll und spielerisch veränderten. Musiziert wurde in allen Ecken des Gehöfts und da die jungen Komponisten den Ort ausgiebig erkundet hatten, gab es zahlreiche Bezüge zwischen der Musik und den temporären Konzertpodien […] durchklang. Doch mit Horn und Alphorn (Andreas Roth), Klarinetten (Daniel Rothe), Schlagwerk (Maximilian Wutzler) und verschiedenen Tasteninstrumenten (Almut Weicht) ließen sich auch Brüche zur Schönheit des sonnigen Nachmittags darstellen, wie Tom Haas‘ „Idylle minus eins“ – gespielt im Rübenkeller – oder einige archaische Stücke mit energischem Trommelspiel und Bläserklängen zeigten. […] So bekam der schnarchende Hahn doch noch mit „Der verrückte Gockel“ von Clemens Kersten einen arbeitssamen Kollegen, der passend im Hühnergarten auf der Klarinette spielte. „Kaffeepause“ riefen zwei Musiker und setzten sich in die Gartenlaube, in der sie einer Idee von Svenja Kuhn folgend der Aufnahme ihrer eigenen Musik lauschten und dazu auf den Tassen konzertierten. […]

Fantasien zum Klingen bringen

Dresdner Neueste Nachrichten – Hartmut Schütz, 17.11.08
Uraufführungen von jungen Komponisten
Obwohl alle Stücke von Kindern komponiert wären, seien sie oft so anspruchsvoll, dass man zu ihrer Aufführung gut ausgebildete Musiker brauche, erklärte Dirigent Milko Kersten zu Beginn des Jahreskonzerts der Komponistenklasse Dresden. Nicht weniger als 17 Schüler hatten gemeinsam mit der Leiterin der Klasse, Silke Fraikin, und anderen Dozenten in zwei Ferienkursen und vielen weiteren Stunden ein beachtliches Programm vorbereitet, das von winzigen Miniaturen bis zu umfänglichen Ensemblestücken reichte. Die Fantasien zum Klingen brachte in diesem Jahr das sehr aktiv musizierende Kammerensemble Neue Musik Berlin. Was diesen Kindern Spaß macht, sie interessiert und bewegt, findet selbstverständlich auch den Weg in ihre Musik und in die Titel der Stücke. Gleich zu Beginn wurden die Zuhörer auf „Die Jagd“ mitgenommen, die der elfjährige Adrian Laugsch zu einer bildhaften Programmmusik geformt hatte. Er gehörte zu den Schülern, die bereits komplexere Stücke für größere Besetzungen schreiben. Die jüngeren […] legten kürzere, mehrstimmige Arbeiten vor, die besonders durch ihren Witz wirkten. Diesen in derart komprimierter Form zu erzeugen, ist dabei sicher nicht einfach: „Hungriger Tiger“ von Pit Neumann für vier Instrumente oder Duette wie „Das Wettrennen“ von Judith Lorenz und Nora Schneiders „Spätsommer“ erzählten so spannende wie zauberhafte kleine Geschichten. Ältere Schüler fanden ihre Ideen gern in Konfliktstoffen, so Tom Haas für sein „Hin und wider“, einer dramatischen Diskussion zwischen Posaune und Bratsche. Geister und Gespenster inspirieren Kinder seit jeher, und sie spukten deswegen auch musikalisch auf einem Friedhof und besonders ausgiebig im „Gespensterduett“ von Laurin Stöckmann. Der hatte nicht nur ein ausgesprochen humorvolles Musikstück verfasst, er verlangte auch Aktion von den Musikern, die neben dem Spiel auf Posaune und Bassklarinette die Bewegungen der Gespenster darstellen mussten. Dieses und andere Stücke zeigten zudem, wie die jungen Komponisten mit Klängen und Geräuschen experimentieren […]

Dumpfe Klänge und schrille Schreie

KINA Nachrichten für Kinder – Sabrina Gorges, 24.10.08
Dumpfe Klänge und schrille Schreie
In einer Dresdner Komponistenklasse machen Kinder ihre eigene Musik
Dresden – Aus der Musikanlage kommen düstere Klänge. Ein dumpfer Kontrabass wabert vor sich hin. Es hört sich ganz schön gruselig an. Plötzlich quietscht eine schrille, hohe Querflöte. Es klingt wie ein lauter Schrei. Nach zweieinhalb Minuten ist die Musik zu Ende. Laurin hat sie sich ausgedacht. Er ist elf und schon ein Komponist. Er nennt sein Stück „Der Einbrecher“. „Weil ich immer Angst im Dunkeln habe“, erklärt er und grinst. Laurin besucht die Komponistenklasse Dresden. Das ist keine richtige Schulklasse. Die Kinder und Jugendlichen treffen sich nachmittags nach der Schule. Sie erfinden Musik. Auf einen Tag im Jahr freuen sich Laurin, Pit und die anderen besonders. Bei einem Konzert spielt ein großes Orchester ihre Stücke. Die Komponisten hören dann, wie ihre Musik – gespielt von mehreren Instrumenten – klingt. […]

Wunderkinder essen Fisch

Dresdner Neueste Nachrichten – Hartmut Schütz, 6.11.07
Jahreskonzert der Komponistenklassen
Hütet euch vor diesem Einbrecher: Er besteht zwar nur aus Tönen, doch schleicht er ganz unheimlich heran, die Türe knarrt und ein Schrei gellt durch die Stille der Nacht – Lachen verriet die Erleichterung, aber wer hätte behauptet, er wäre nicht erschrocken? Mit wenigen Takten Musik eine solche Wirkung zu erzeugen, ist schon ein Kunststück, und das Programmheft verriet das Geburtsjahr des Komponisten dieser Miniatur: 1997. Damit gehört Laurin Stöckmann zum „Mittelfeld“ der Komponistenklassen Dresden und Halle-Magdeburg, die in der Dreikönigskirche ihr Jahreskonzert vorstellten. Der Jüngste zählt gerade sieben, der Älteste ist achtzehn Jahre, was aber für die Arbeit mit den Schülern nur nebenbei eine Rolle spielt. Den Begriff „Kinderkomponistenklasse“ hört Silke Fraikin, Leiterin der Dresdner Klasse, daher auch gar nicht gern, denn aus Kindern werden flugs Jugendliche […] Entstanden waren fast zwei Dutzend kurze Stücke, in denen der Fantasie tatsächlich keine Grenze gesetzt war. […] Die Breite der verwendeten musikalischen Mittel war verblüffend. Neben Melodiösem standen experimentelle Stimmgeflechte, jazziger Schwung neben traditionellen, zweistimmig gesetzten Liedern. Nichts aber davon war belanglos, das Werk von Kindern zwar, aber kein Kinderkram. […]

Seite 2 von 3123
Impressum