Komponistenklasse Dresden und Ensemble C als „Überraschendste Künstler“ im Spielzeitrückblick erwähnt

Dresdner Neueste Nachrichten – Kerstin Leiße, 15.7.14

Entfesseltes Drama

Was war, was wird? Was war herausragend, wo konnten Erwartungen dagegen nicht erfüllt werden? Auch die vergangene Kultursaison hatte wieder vieles im Angebot: zwischen großartigen Aufführungen und missratenen Abenden. Nun gehen DNN-Autoren zum wiederholten Mal auf Erinnerungsreise mit Blick auf die abgelaufene Saison. Wie jede Rezension, wie jeder subjektive Blick auf kulturelle Veranstaltungen in Dresden soll auch dieser Rückblick streitbar sein und durchaus Widersprüche produzieren. Heute bilanziert Kerstin Leiße.

Das herausragende Ereignis
Es wurde einer jener Theaterabende, die man nie mehr vergisst. Aus gutem Grunde. […] In der neuen Strauss’schen „Elektra“ in der Semperoper zog Evelyn Herlitzius in der Titelrolle die Zuschauer quasi hinein in die existenzielle Zerrissenheit dieser Figur. Ihre sprachliche und stimmliche Vehemenz machte ihre Interpretation zum Ereignis. Evelyn Herlitzius ist in ihrer Durchschlagskraft und darstellerischen Intensität momentan die Elektra schlechthin. Und am Pult stand einer, der die Klangeruptionen und Komplexität der Richard-Strauss-Partitur wirklich beherrscht und formt: der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle, Christian Thielemann. Der Höhepunkt der Spielzeit 2013/14 der Sächsischen Staatsoper. Bitte mehr davon!

Überraschendster Künstler
Ganz Große haben auch mal klein angefangen. Eine Plattitüde? Vielleicht, aber keine ist, dass junge Menschen Förderung, Orientierung, Anreize brauchen. Und dass ihnen das, was sie tun, auch Spaß machen muss, soll es Nachwirkung (fürs Leben) haben. Solcherart Spagat gelingt der Komponistenklasse Dresden-Halle mit erfreulicher Kontinuität. Immer wieder ist es ein Vergnügen, die musikalischen Pretiosen humorvollen und ernsten, poetischen und alltäglichen Inhalts zu hören. Noch dazu, wenn sie von Gleichaltrigen wie dem Chemnitzer Ensemble C aufgeführt werden – wie beispielsweise bei den KlangKunstHöfen Bärwalde. Nicht alle beteiligten jungen Komponisten und Musiker werden später in diese professionelle Richtung gehen, aber Selbstvertrauen und Kenntnis, wie man sich mit dieser Welt auseinandersetzt, das wird ihnen so mit auf den Weg gegeben. […]

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